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Schopfheim  -"Boulevardkomödie mit Erotikfaktor. 

Mit einer lustigen Sex-Komödie begann die Theatersaison in Schopfheim. Dass diese Swinger-Beziehungskiste nicht in seichtes Fahrwasser abdriftete, war den munter aufspielenden jungen Schauspielern und der exakten Regiearbeit zu verdanken.

 

Alex sucht Abwechslung im Bett und will Partnertausch im Schlafzimmer zu Hause. Nur widerstrebend macht seine Frau Doris mit. Beim anderen Paar ist es genau umgedreht. Bea ist hier die sexuell Fordernde, während ihr Mann Christoph nicht so recht in die Gänge kommt. Das ändert sich bald, weil sich Christoph als der Ex von Doris entpuppt und noch immer so etwas wie Liebe besteht. Da muss sich das erotische Wechselspiel ja in Richtung neue Liebesaffäre bewegen.

Schon der Titel der Komödie von Stefan Vögel ist anspielungsreich: „Zwei Vier Sex“. Die Situation auf der Bühne ist einfach nicht „normal“. Der eine, Christoph, verschanzt sich im Auto, die andere, Doris, im Zimmer: Partnertausch mit Hindernissen. Es will nicht so recht klappen mit dem alternativen Lebensstil und dem Sex mit wildfremden Leuten in der eigenen Wohnung.

 

Der Clou des Stücks ist, dass es im ersten Teil putzig, flippig und wahnsinnig lustig ist, im zweiten Teil aber zu einem richtigen Ehedrama wird und der Schluss offen bleibt. Das ist schwierig zu inszenieren, denn es hat wenig eigentliche Handlung. Da muss alles stimmen, jede Kleinigkeit, es braucht exakte boulevardeske Situationskomik, die Lacher müssen genau dosiert sein. Das Leichte ist wieder einmal das Schwere, und das gilt besonders für eine solch turbulente, aufgedrehte Sexgeschichte, die nicht anzüglich sein möchte.

Auf den Punkt inszeniert

Hier kommt der Regisseur ins Spiel. Thomas Rohmer, Intendant der Theatergastspiele Fürth, der sich in der Stadthalle die Aufführung selber noch mal angesehen hat, inszeniert auf den Punkt. Und seine Schauspieler setzten das genau so pointiert und flott im Timing um.

Das Einheitsbühnenbild war ganz hübsch, und die vier Darsteller zeigten außergewöhnliche Boulevardqualitäten. Sie sind aus Fernsehserien bekannt, teils jugendliche Shootingstars und junge Kinohoffnungen wie Tobias Schenke. Er spielt den großmäuligen Alex, der die (Doppel-)Moral auf seiner Seite hat, aber von seiner Partnerin gnadenlos runtergemacht wird, im Stil von: Das Sandmännchen sei spannender als er.

Die Bea von Julika Wagner ist die personifizierte Versuchung, toll aussehend in ihren hochhackigen Pumps und im Glitzerfummel, aber etwas arrogant, kalt, emotionslos und stolz. Knapp zwei Stunden gab es freie Fahrt für die „Dampfwalzen-Bea“, wie ihr Mann sie nannte. Die Doris von Annette Strasser (Spiel und Sprechen erinnerte an Ingrid Steeger) schmollt gern, ist zuerst das spießige Mädchen und die naive Blonde, läuft dann aber zu großer Show auf und wird die Aktive im Bett-Quartett.

Großer Bedenkenträger, aber ein schöner Mann mit Waschbrettbauch, ist der Christoph von Rhon Diels. Am Schluss hat die Sexgeschichte nach einer von Bea eingefädelten Intrige alles kaputt gemacht und der strahlende Siegertyp ist eigentlich der Verlierer.

Vielleicht will die Komödie auch zeigen, warum man Sex und Liebe so schwer trennen kann und beim Partnertausch Lüge und Eifersucht im Spiel sein können. Das Publikum jedenfalls schmunzelte über dieses erotische Verwirrspiel."

Markgräfler Tagblatt, Jürgen Scharf, 13.10.2019

Schopfheim - Aus komischem Verwirrspiel wird ein Drama.

Auftakt der Theatersaison in der Schopfheimer Stadthalle mit den Theatergastspielen Fürth und dem Stück "Zwei Vier Sex".

Zwei junge Paare, die ihr Eheleben aufpeppen wollen, sorgten in der Komödie "Zwei Vier Sex" für einen vergnüglichen Auftakt der Theatersaison in der Schopfheimer Stadthalle. In der Regie von Thomas Rohmer, dem Intendanten der Theatergastspiele Fürth, agierten vier aus Fernsehserien, Soaps und Kino bekannte junge Schauspieler witzig, amüsant und frech in dieser etwas anderen Liebesgeschichte.

Schauplatz ist die schicke Bude des Ehepaars Alex und Doris. Um dem Liebesleben einen neuen Kick zu geben, will er einen Partnertausch ausprobieren. Doch seine Frau will nichts wissen von "Sex mit wildfremden Menschen in der eigenen Wohnung". Beim anderen Paar ist es umgekehrt. Dort ist die liebestolle Bea die treibende Kraft, während ihr Mann Christoph sich im Auto verschanzt und das Ganze für "abartig" und "Schweinkram" hält. Er will seine Frau nicht mit einem Fremden "teilen", hat aber Angst, sie zu verlieren, wenn er nicht mitmacht. "Wenn es um Sex geht, hört bei den meisten der Spaß auf", lästert Bea.

Das erste Treffen der Paare verläuft mit Überraschung, denn es stellt sich heraus, dass Doris und Christoph mal ein Liebespaar waren und sich nun Hals über Kopf wieder verlieben. Die Gefühle, das Herz, die echte Liebe bringen das erotische Karussell in diesem Stück von Stefan Vögel ins Schleudern. Dieses Hin und Her der Gefühle und Affären wird pointiert und munter in der Situationskomik und dem Dialogwitz gespielt und inszeniert. Tobias Schenke gibt voller Verve und hibbeliger Action den flippigen, großmäuligen, exaltierten Alex, der mit seinen Liebhaberqualitäten prahlt und "reinen, puren, emotionslosen Sex" will. Als Femme fatale und verführerischer Vamp stöckelt Julika Wagner in der Rolle der Bea in High Heels und Glitzerkleid über die Bühne: eine laszive, aufreizende Frau, die sich die Männer nimmt, wie sie will. Ohne Rücksicht auf ihren Ehemann, den sie "einen Feigling" nennt, weil er sich gegen diese erotischen Spielchen sträubt. Rhon Diels als Christoph ist ein Frauenschwarm, bärtig, groß gewachsen, im modischen Anzug, ein Mann, der Werte in der Ehe hoch hält. Nur widerwillig lässt er sich darauf ein, bei dem Partnertausch mitzumachen. Und staunt nicht schlecht, als er dabei auf seine Ex trifft: Doris, seine "kleine Dodo". Annette Strasser ist in dieser Rolle zuerst die süße, naive Blonde, ein "konservatives spießiges Mädchen", wie ihr Mann sie nennt, und dreht dann mächtig auf. In den Armen ihres Ex Christoph, den sie nie vergessen hat, findet sie ein berauschendes Liebesglück. Misstrauisch und eifersüchtig beäugt wird das hingebungsvolle Turteln der beiden von deren jeweiligen Ehepartnern.

Zumal es zwischen Alex und Bea überhaupt nicht funkt und klappt. "Sandmännchen ist spannender als du", lästert die männermordende Bea über ihren Möchtegern-Lover, der sich mit Ausreden aus der Affäre herauswinden will. Das sind entlarvende Szenen, wenn die Rivalen wie Boxer im Ring mit Handtuch über dem Kopf und Banane essend da sitzen.

Die Rollenklischees werden aufgemischt, wenn der leichtlebige Alex plötzlich kleinlaut wird und eifersüchtig auf den Nebenbuhler ist. Im zweiten Teil schleichen sich ernstere Töne in die Beziehungskiste, wird das Stück zum Ehedrama über Treue und wahre Liebe. Als sie von der früheren Geliebten ihres Mannes erfährt, zettelt die aufgebrachte Bea eine Intrige an, um ihn auflaufen zu lassen. "Sie oder ich", stellt sie ihn zur Rede. Ihr Christoph als Karrieremensch, der für seinen Job alles andere hintan stellt – auch die Liebe. So erlebten die Zuschauer zum Auftakt der Theater-Aboreihe der Kulturkooperation eine leichtfüßige und pikante Boulevard-Komödie, über die man sich gut amüsieren konnte und die einiges über das Liebes- und Eheleben und die Partnersuche in Zeiten des Internets verriet."

Badische Zeitung, Roswitha Frey, 15.10.2019