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Homburg - "Thriller mit Gänsehaut-Garantie. Begeistertes Homburger Premierenpublikum feierte im Saalbau „Amber Hall“. Eine echte Tournee-Premiere gab es jetzt im Homburger Saalbau mitzuerleben. Die Theatergastspiele Fürth nutzten die Homburger Bühne als Start ihrer neuen Produktion „Amber Hall“ mit Star-Besetzung. Der Horror-Thriller kam beim Homburger Publikum bestens an. Viele bekannte Gesichter aus Film und Fernsehen konnte man am Donnerstagabend auf der Bühne im Homburger Saalbau sehen. Der Mystery-Horror-Thriller „Amber Hall“, eine Produktion der Theatergastspiele Fürth, startete in Homburg seine Tourneepremiere. War das dunkle Genre des Grusels bisher nur dem Kino vorbehalten, kam mit „Amber Hall“ der Schrecken jetzt auf die Bühne. Fünf bekannte Schauspielerinnen trieben mit ihrer überzeugenden Spielweise den Puls der Zuschauer in die Höhe. ... Bei den Zuschauern baute sich schon von der ersten Minute an ein Spannungsbogen auf. Verstärkt durch akustisches Klaviergehämmer und tragische Opernarien knisterte im Saale die Luft und ließ bei so manchem den Atem gefrieren. Günther Hussong sagte zur Pause: „Eine spannende Geschichte, die sehr überzeugend und auf sehr hohem schauspielerischem Niveau übermittelt wird.“ Den Homburger Thomas Neumann hatte der Namen des Stückes angesprochen. Zusammen mit Michele Gesang war er in den Saalbau gekommen, um die Kunst des Gruselns auf der Bühne hautnah mitzuerleben. ... Der Autor des Stückes, Lars Lienen, war selbst im Saalbau vor Ort, und konnte sich davon überzeugen, dass sein Stück, besetzt mit bekannten Schauspielerinnen, beim Homburger Publikum im Saalbau „begeistert“ ankam."

SZ Homburg, Jörg Jacobi, 07.11.2016

 

Delmenhorst - Ein Landsitz mit mörderischen Geheimnissen. Ist es ein Haus des Grauens oder ein Haus der Gerechtigkeit? Auf jedem Fall geschahen und geschehen im feudalen Landsitz Amber Hall Dinge, die Menschen in den Tod treiben. Mit einem ungewöhnlichen Mystery-Horror-Thriller überraschte die Produktion der Theatergastspiele Fürth am Sonnabend im Kleinen Haus die Zuschauer vor allem nach der Pause. „Amber Hall“ wartete mit einem Ende auf, das so nicht zu erwarten war. 2008 wurde das Stück des Düsseldorfers Lars Lienen in seiner Heimatstadt uraufgeführt. Das von Christine Kaufmann empfohlene Stück fällt aus dem Rahmen. Schon der Beginn erstaunt. Der Vorhang ist geschlossen, das Licht aus und eine Stimme liest einen Brief vor. Das Publikum erfährt, dass die Schwestern Alanna und Emily nach dem Tod ihrer ihnen unbekannten Tante Laura eine große Erbschaft gemacht haben. Sie kauften sich einen herrschaftlichen Landsitz und sind nach dem gewaltsamen Tod der Eltern endlich wieder glücklich. Hier weist außer der Dunkelheit noch nichts auf die mysteriösen Geschehnisse hin. Doch sehr schnell wird klar, dass der Schein nicht so glänzend ist, wie ihn sich die Schwestern erhoffen.

Als erstes lässt Autor Lienen in Gestalt von Anwältin Faith Tigh (Friederike Sipp als wissbegierige und hartnäckige Anwältin) einen Schatten auf das Glück fallen. Die Anwältin ist erstaunt über den äußerst günstigen Kaufpreis und das ungewöhnliche Entgegenkommen ihres Kollegen, der die Käufer vertritt. Alanna (Jessica Boehrs gab die lebenslustige Frau mit Temperament und genau dem richtigen Maß an Oberflächlichkeit, aber auch mit viel Fürsorge für ihre Schwester) will davon nichts wissen und hat kein Problem damit, vom ersten Moment an die Annehmlichkeiten des sorglosen Lebens zu genießen. Im Gegensatz zu der robust wirkenden Alanna ist ihre Schwester ein ätherisches Wesen. Emily erlitt nach dem Tod der Eltern und einem Unfall, bei dem sie schwere Verletzungen davontrug, einen Nervenzusammenbruch. Nun hat sie sich erholt, wirkt aber im Gegensatz zu ihrer Schwester wie ein leichtes Blatt im Wind.

Umsorgt werden die beiden Frauen von Hausdame Sonia Milani und Köchin Marie. Mit ihrem Auftritt bekommt der Zuschauer den nächsten Hinweis, dass Amber Hall etwas Besonderes ist. Jan Hasenfuss lässt in seinem Regiedebut sowohl Kaufmann-Tochter Allegra Curtis als Sonia Milani als auch Tatjana Blacher als Marie symbolisch ganz in tödliches Schwarz gekleidet mit sehr kontrollierten und sparsamen Bewegungen agieren. Vor allem Allegra Curtis strömte eine Kälte aus, die das Publikum zur Pause sicher sein ließ, dass sie für die mysteriösen Vorgänge verantwortlich war, die nur auftraten, wenn sich Emily allein im Raum befand. Tatjana Blacher spielte ebenso mit ebenso bedachter Motorik wie Curtis, aber mit einem warmen Lächeln und baute so eine interessante mysteriöse Spannung auf.

Der immer wiederkehrende Ausfall des Lichtes, die Geräusche, die manchmal von so fieser Tonart waren, dass sie im Ohr schmerzten, die Klopfgeräusche, das Lachen eines Kindes, der Klang eines Glockenspieles – es wurden viele Register gezogen, um die labil wirkende Emily in den Wahnsinn zu treiben. Während Emily fest davon überzeugt ist, dass das Haus sie angreift, glaubt Alanna, dass ihre Schwester an Halluzinationen leidet. Faith allerdings sieht das ganz anders. Sie hat Nachforschungen angestellt und in Erfahrung gebracht, dass in Amber Hall schon viele Menschen freiwillig in den Tod gingen. Sie bringt aber auch ans Tageslicht, dass alle, die in diesem Haus Selbstmord begingen, Mörder waren.

Und genau das trifft zum Entsetzen von Alanna und Faith auch auf Emily zu. Sie hat sich, eine Reise vortäuschend, bei ihrer steinreichen Tante als Angestellte eingeschlichen und sie getötet, weil sie der Meinung ist, dass sie und ihre Schwester, die nach der Ermordung der Eltern in ärmlichen Verhältnissen lebten, im Gegensatz zu einer alten Frau als junge Menschen ein Anrecht auf ein sorgenfreies Leben hätten. Nicht gerechnet hat Emily mit Marie, Lauras bester Freundin, die nach der Rückkehr von einer Reise von Lauras Tod erfuhr. Durch ihren Mann, einen Parapsychologen, kannte Marie die Geschehnisse in Amber Hall und setzte mit Hilfe des Hauses und ihrer Schwester Sonia ihren Vergeltungsplan in die Tat um.

Lars Lienen hat ein hochinteressantes Stück geschrieben, das Jan Hasenfuss ohne jegliche Längen inszenierte. ... die Geschichte zudem eine so unerwartete, aber logisch nachzuvollziehende Wendung nahm, gab es am Ende langen Applaus.

Delmenhorster Kurier, Heide Rethschulte, 14.11.2016