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Erlangen - Bekannte TV-Schauspielerin überzeugte in Baiersdorf. 

Ein literarisches Experiment wagten die Theatergastspiele Fürth in der Jahnhalle Baiersdorf. Anstelle eines Bühnenstückes hatte Intendant Thomas Rohmer eine Lesung mit der bekannten Fernsehschauspielerin Thekla Carola Wied aus München ins Programm aufgenommen. Für die Zuhörer wurden die "Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau" aus der Feder Stefan Zweigs zu einem überwältigenden Erlebnis.

Als Thekla Carola Wied auf die Bühne tritt, erfassen zwei Scheinwerfer ihre zierliche, beinahe zerbrechliche Gestalt. Das ist also die große Schauspielerin, die einer ganzen Generation an Fernsehzuschauern gezeigt hatte, wie man eine Familie heiratet. So ganz alleine steht sie da, in der Hand ihre Lesebrille. Noch aber braucht sie das Hilfsmittel nicht. Denn den Prolog spricht sie völlig frei. Die Sätze, die erklären sollen, warum man sich in den folgenden zwei Stunden eine Lebens- und Liebesbeichte anhören soll, die Stefan Zweig vor fast einem Jahrhundert in seinen unnachahmlich eleganten Stil gewandet hat. 

Da spricht eine 74-jährige Schauspielerin die Rolle einer 67-jährigen Dame von Welt, und gerade diese Authentizität ist es, die den Zuhörer sofort in den Bann zieht. Sobald man der warmherzigen, einen hypnotischen Sog erzeugenden Stimme der Erzählerin folgt, wie sie von seinen Händen am Spieltisch spricht, die sie wie zwei lebende Wesen schildert. Wie sie auf diese magischen Hände starrt, so starrt der Zuhörer auf diesen einen Tag. So wird an diesem Abend nicht einfach nur ein Text rezitiert, es wird eine Atmosphäre erzeugt, die es dem Publikum möglich macht, das einem Menschen Verfallensein, die Willenlosigkeit, die Überspanntheit mitzuerleben. Zugegeben ein Luxusproblem reicher Romanfiguren, die vom "lebendigen Gestorbensein" in ihrem "zusammengehäuften Dasein" erfasst werden.

Es ist die für eine Novelle so wichtige "unerhörte Begebenheit", die sich da an der französischen Riviera abspielt. Eine Frau jenseits der Vierzig trifft auf einen jungen, namenlosen Mann Mitte Zwanzig. Aus dem anfänglichen Versuch, den der Spielsucht verfallenen polnischen Adligen zu retten, wird eine kurze, heftige, natürlich unglückliche Liebesgeschichte. Eine erotische Episode, die das großbürgerliche Leben der Dame noch einmal bis ins Mark erschüttert. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod. Am Ende wird ihr Herz gebrochen und seines von eigener Hand durchschossen sein. Der melancholische Grundton lässt daran von Beginn an keinen Zweifel. "Wer so aufstand, der ging in den Tod." Ein bisschen schimmern da die düsteren Dämonen Dostojewskis durch. Schließlich lässt sich hier eine buchstäblich des Lebens müde Frau auf ein Abenteuer ein, von dem sie unsinnigerweise hofft, es möge ihre innere Leere bezwingen. Ganz wie der Spieler, der sich und seine innere Stimme mit Karten oder Kugeln betäubt. Doch weder für den Casino-Süchtigen gibt es eine Rettung, noch für die Lebenshungrige eine Erlösung. Zumal ihre Figur als Mischung aus Heilige und Hure angelegt ist. 

Mühelos gelingt es Thekla Carola Wied, in das mondäne Monte Carlo hinabzutauchen, einer Unterwelt, in deren Abgründen schon ganz andere als nur literarische Figuren ein tragisches Ende gefunden haben. Nicht ohne Grund ist ständig vom Hinabstürzen ins Bodenlose die Rede. In solch extremen Situationen, vielleicht im ganzen Leben, gibt es keinen Halt mehr. Weder mathematische Gewissheiten noch religiöse Verheißungen, und schon gar keine emotionalen Bindungen. Beim Zuhören drängen sich Assoziationen auf, die der von Sigmund Freud faszinierte Autor bewusst oder unbewusst befördert hat. Etwa das Doppelgänger-Motiv, das die ältere Frau im jüngeren Mann spiegelt. Sie 42, er 24. Sie männlich tatkräftig, er mit "weibischen" Gesichtszügen. Beide besessen von ihrer fixen Idee. Beide im triebhaften Taumel. Wie die beiden anfangs erwähnten Hände wird das ungleiche und doch gleiche Paar im nächtlichen Hotelzimmer miteinander ringen. 

Dieses Aneinanderklammern zweier verlorener Seelen liest Thekla Carola Wied mit geballten Fäusten, mit bebender Stimme, mit packender Verzweiflung. Läge es nur an ihr, es ginge mit den literarischen Gestalten nicht unaufhaltsam bergab. Freilich scheint es, als ob Stefan Zweig sich hinter einer allzu kunstvollen Sprache verbirgt, die er wie einen poetischen Panzer nutzt, um sich nicht an der Welt zu verletzen. Dass dabei das Abgleiten in den Kitsch verhindert wird, ist ausschließlich Thekla Carola Wieds Verdienst. Ein langanhaltender, tief dankbarer Beifall hält an, bis die Scheinwerfer Thekla Carola Wied wieder in die Dunkelheit entlassen. Diese kleine und doch so große Schauspielerin. 

Erlanger Nachrichte, Udo Güldner, 23.10.2018

Mühlacker - Eine unerhörte Begebenheit: Stefan-Zweig-Lesung mit Thekla Carola Wied

"Als Thekla Carola Wied im eleganten schwarzen Kostüm zur Stefan-Zweig-Lesung auf der Bühne im Mühlacker Uhlandbau erscheint und nach wenigen frei gesprochenen Sätzen am Lesepult Platz nimmt, ist sie urplötzlich jene englische Lady von Adel aus Stefan Zweigs Erzählung, die mit ihrem Bericht die Zuhörer in ihren Bann schlägt. Es folgen zwei Stunden spannungsgeladener Konzentration beim Lesen und Lauschen im nahezu ausverkauften Theatersaal des Mühlacker Uhlandbaus. 

In seiner Novelle „Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau“ erzählt Zweig von einer Dame, die eine auf wenige Stunden zusammengedrängte Begebenheit mitteilt – oder eine befreiende Beichte ablegt. Im Kasino von Monte Carlo hatte sie einen seiner Spielleidenschaft völlig verfallenen jungen Polen kennengelernt. Sie versucht ihn von seiner Sucht abzuhalten und verliebt sich in bedrohlicher Weise in den faszinierenden Menschen. Der freilich kann vom Spiel nicht lassen.

Die Rolle scheint Thekla Carola Wied, die nicht nur im Spiel

eine Grande Dame ist, auf den Leib geschneidert. Mit dem Textzitat „Nur das erste Wort fällt schwer“ wendet sie sich direkt ans Publikum. Und eröffnet damit eine verstörende Geschichte. Dabei versteht sie es meisterlich, mit Mimik und Gesten beim Lesen Spannung aufzubauen, beugt sich an Wendepunkten der Handlung vor und geht in freies Sprechen über. Da ist eine wunderbare Schauspielerin in ihrem ureigensten Element."

(Pforzheimer Zeitung, Eckehard Uhlig, 18.03.2019)

Auszug aus einer Kritik aus dem Flensburger Tagblatt 2015: Lesung „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ von Stefan Zweig.

„Wied's unverwechselbare dunkel-samtige Stimme füllte mühelos den Raum und zog

ihre Zuhörer sofort mitten hinein in die Geschichte. Frei erzählte sie den Prolog der

behutsam gekürzten Novelle. Sie berichtete nicht, nein, sie verkörperte die Frau, die  

jene kurzen, unvergeßlichen Stunden vor einer Zuhörerschar ausbreitet. Wied verstand es, ihr gebannt dasitzendes Auditorium wie geladene Gäste auf einen imaginären englischen Herrensitz zu entführen, wo man vor dem brennenden Kamin

den Erzählungen der Gastgeberin lauscht.

Thekla Carola Wied gab dieser tragischen Figur so unglaublich viel Lebendigkeit, ließ

mit ihrer Stimme auch noch die kleinste emotionale Nuance spürbar werden. Immer

wieder sprach sie ihre Zuhörer direkt an, bezog sie mit ein in dieses Wechselbad der Gefühle, das nur 24 Stunden währte und doch die ganze Ewigkeit zu beinhalten schien,

von gut gemeinter Hilfsbereitschaft über unerklärliche Leidenschaft zu abgrundtiefem Hass auf sich selbst und dem unverzeihlichen Kontrollverlust.

Das Publikum dankte für dieses unvergeßliche Erlebnis mit nicht enden wollendem Beifall.“      Ursula Raddatz

 

Bravo, Thekla Carola Wied!

09. September 2014 ·

"Was Dr. Wigo Haacke und seine Frau Barbara für die Frauenhofer Torhauskonzerte an namhaften Künstlern Sommer für Sommer auf ihr Gut Frauenhof laden, ist schon bemerkenswert. Die wachsenden Besucherzahlen alleine sprechen Bände. So waren zum Beispiel bei der Abschiedsvorstellung dieses Sommers, am 7. September 2014, die Platzmöglichkeiten vollkommen ausgeschöpft und an die Grenzen des Machbaren gestoßen. Kein Wunder, denn es gab einen wahren Ohrenschmaus aus den „24 Stunden aus dem Leben einer Frau“ von Stefan Zweig, den keine Geringere als die Ausnahmeschauspielerin Thekla Carola Wied las. Mit dieser Besetzung lag das Ehepaar Haacke absolut goldrichtig, denn nach der Lesung waren rund 150 begeisterte Zuhörer nahezu hin und weg, wenn man es mal so salopp ausdrücken möchte.

Thekla Carola Wied spielte und las authentisch und elektrisierend und war nicht nur physisch nah bei den Zuhörern. Diese hingen gebannt an ihren Lippen und erlebten mit, wie die verwitwete Mrs. C. in dem Casino in Monte Carlo einen gesellschaftlich aufstrebenden jungen Mann beobachtet, der sein ganzes Vermögen verspielt. Wie diese Frau ihn kennenlernt, ihm das Leben rettet, als er sich das Leben nehmen will, und wie sie sich in ihn verliebt, was sie sich jedoch erst viele Jahre später eingesteht, und wie sie den jungen Mann letztendlich wieder an die Spielbank verliert.

Hochgenuss, die Begeisterung, die Hoffnung und Enttäuschung von Mrs. C. durch die hinreißende Thekla Carola Wied miterleben zu dürfen! Stefan Zweig wäre sicherlich glücklich gewesen, wenn er seine Novelle in dieser Form hätte hören dürfen.

Hamburg im Blick,

 

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