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"Auf dünnem Eis" : Euphorischer Jubel für die beiden grandiosen Schauspieler und die sensationelle Regie von Holger Berg ! - Theater auf höchstem Niveau

"Danke für die wunderbare Produktion unseres Stückes" (Eva Gissel - Litag Verlag)

JUBEL IN BAD SALZUFLEN * WEILBURG * BRUNSBÜTTEL * BAIERSDORF * BAD KISSINGEN und und und ...

Bad Salzuflen  -  Die Suche nach dem Glück. 

Die Komödie "Auf dünnem Eis" feiert im ausverkauften Saal eine umjubelte deutsche Erstaufführung.

Der Vorhang geht auf und lediglich eine Schrankwand und Couch füllen die Bühne. Mehr benötigen die beiden aaszahlreichen Fernsehproduktionen bekannten Schauspieler Petra Kleinert und Roberto Guerra nicht, um überaus spannend die Geschichte von Karine und Didier zu erzählen.

Die Komödie "Auf dünnem Eis" des tunesischen Autoren Eric Assous feierte am Wochenende unter der Regie von Holger Berg im Kur- und Stadttheater nicht nur eine umjubelte Premiere, sonder war auch die deutsche Erstaufführung des Stückes. Karine und Didier sind scheinbar ein ganz normales Paar. Gemeinsam haben sie sich gerade "Die Brücken am Fluss" mit Meryl Streep und Clint Eastwood angeschaut. Und alleine der Eröffnungsdialog erinnerte sicherlich viele Zuschauer im ausverkauften Saal an die Unterhaltung in den eigenen vier Wänden. Denn während Didier sich mit der Frage beschäftigt, wo denn Madison County liegt ("Davon habe ich noch nie etwas gehört"), treibt Karine die Frage um, ob man bei einem Partner bleiben sollte, auch wenn man ihn nicht mehr so liebt wie am Anfang der Beziehung. Diese Fragen wiederum sind Didier viel zu anstrengend, denn er möchte eigentlich etwas ganz anderes - einfach nur schlafen. Doch Karine bleibt hartnäckig in ihrer Suche nach Antworten: "Sind wir noch immer ineinander verliebt", will sie wissen, und "wenn nicht, was hat unsere Beziehung ins Wanken gebracht?". Während sich Karine und Didier also gegenseitig mit unangenehmen Wahrheiten konfrontieren, sich ausfragen, hassen und lieben, wird dem Zuschauer im Saal mehr als nur einmal der Spiegel vorgehalten. Das machen auch die wiederkehrenden Lacher und Zwischenrufe deutlich. "Das war einfach brillant gespielt und sehr tiefsinnig", fasste Besucherin Nicole Behrens ihren Eindruck der Premiere zusammen. Und so wie ihr erging es sicherlich vielen anderen Zuschauern, die sich im Anschluss an die Aufführung noch angeregt über die dargestellten Szenen einer Ehe unterhielten."

Lippische Landeszeitung, 06.02.2018, Guntmar Wolff

Bad Kissingen - "Bist du glücklich?"

Mit dem handlungsfreien Konversationsstück "Auf dünnem Eis" hat Eric Assous ein Kammerspiel geschrieben, das amüsant und tiefgründig zugleich ist

Man hätte ja gar nicht ins Theater gehen müssen. Denn wenn man lange genug verheiratet ist, dann kennt man das aus eigener Erfahrung - man nennt das "Déjà-vu": Didier und Karine sitzen in ihrem höchst ungemütlichen Wohnzimmer auf dem Sofa und starren in den Fernseher (der steht da, wo das Publikum sitzt). Gerade geht der Film "Die Brücken am Fluss" mit Clint Eastwood und Meryl Streep zu Ende. Und man merkt sofort: Da ist Spannung in der Luft. 

Didier hampelt mit zur Schau gestellter Langeweile auf seinem Platz herum, weil er genau weiß, dass er gerade an dem Filmhelden gemessen - und bestimmt für zu leicht befunden wird. Karine starrt mit tränenfeuchten Augen auf den Bildschirm, weil sie sich an den Schauspieler verloren hat. Als der Fernseher verstummt, bleibt quälendes Schweigen übrig. Didier möchte möglichst schnell ins Bett, weil er schon ahnt, was kommt, was er unbedingt vermeiden will. Denn in Karine braut sich Unheil zusammen.

Mühsam kommt über die Floskeln ein Gespräch in Gang: Für Didier ist der Schauspieler - ganz im Gegensatz zu ihm selbst - nur ein Produkt aus Schminke und Licht, für Karine ist er der Traummann, und es ist ihr egal, dass sich Didier mit aller Vehemenz dagegen wehrt. Und schlimmer kann es nicht kommen: Sie zwingt ihn zu der Frage: "Bist du glücklich?" Nur drei Worte, aber fürchterliche Sprengkraft. Denn wie immer die Antwort ausfällt: Sie ist falsch. Sagt man ja, erweckt man sofort stetig wachsendes Misstrauen, denn man hat bestimmt etwas zu verbergen. Sagt man nein, ist ohnehin Feuer unterm Dach. Ottonormal-Ehepaare tendieren in dem Fall zum Ja. Dann kann sich der/die Andere ein "Naja!" denken und einigermaßen unbeschadet auf das nur schwach verminte Terrain des Alltags zurückkehren.

Aber Karine - und das ist der Grund, warum man doch ins Theater musste - sagt nein. Sie würde, wie Meryl Streep ihren abgenutzten Ehemann, auch Didier verlassen und mit Clint Eastwood oder einem anderen derartigen Traummann neu beginnen. Sie will wieder Schmetterlinge im Bauch spüren. Und damit beginnt die Katastrophe.

Die beiden trennen sich, ohne sich zu trennen. Nicht nur weil Karine weiterhin bei Didier wohnt, sondern weil sie sich gegenseitig brauchen, um ihre neue Freiheit und Unabhängigkeit zu demonstrieren. Denn sie haben sonst niemanden, den sie damit beeindrucken können. Sie haben überhaupt nicht gelernt, voneinander unabhängig zu sein. Die ganzen heißen Liebesnächte und spannenden Beziehungen lügen sie sich gegenseitig vor.

Nur einmal klappt es in einer Nacht bei beiden gleichzeitig - mit anderen Partnern. Das macht die Waffe des Vorwurfs stumpf. Und es kommt, wie man es schon erwartet hat: Als Karine in Didiers Wohnung eigentlich nur einen Regenschauer abwarten will - ihr neuer Partner ist auf Dienstreise, spürt sie plötzlich wieder Schmetterlinge im Bauch. Ende gut, alles gut ? Man weiß es nicht. Die Frage kann ja jederzeit wieder kommen: Bist du glücklich?

Der Franzose Eric Assous hat ein Kammerspiel für zwei Schauspieler "Auf dünnem Eis" 2013 in Paris geschrieben (ein Fall, in dem die deutsche Übersetzung des Titels besser ist, als das Original: Couple en danger oder Paar in Gefahr - immerhin reimt sich's.) Die Theatergastspiele Fürth haben es vor zweieinhalb Wochen in deutscher Erstaufführung (Übersetzung: Kim Langen) herausgebracht. Es ist ein guter Beleg dafür, in welch hohem Maße die französischen Boulevardtheater in den letzten Jahren ihre englischen Kollegen abgehängt haben.

Assous gelingen in diesem mehr oder weniger handlungsfreien Konversationsstück ungemein dichte Dialoge, die nie an der Oberfläche bleiben, auch wenn es oft nur Andeutungen sind, die die beiden machen. Entstanden sind sechs "Szenen einer Ehe", die jeweils neu beginnen, aber sich bruchlos aneinanderfügen. Die Spannung entsteht nicht, weil das Ende offen wäre - das denkt man sich schon sehr bald - sondern weil der Weg dorthin immer wieder verblüfft.

Holger Berg hat in seiner Inszenierung die Konzentration durch ein ausgezeichnetes Timing noch mehr verdichtet, und er hat mit einer minutiösen Personenregie bis in die kleinste Mimik für nahezu atemlose Deutlichkeit gesorgt - man konnte trotz des Ernstes der Lage sehr viel lachen. Allerdings hatte er mit Petra Kleinert und Roberto Guerra ein Darstellerehepaar, das das hohe Tempo bis zum Schluss präzise gehen konnte. Man bekam ein bißchen das Gefühl, als wäre das für die beiden auch etwas wie erlebte Erfahrung. Aber um Realität zu sein, war es einfach zu gut gespielt."

Mainpost, 19.02.2018, Thomas Ahnest

Weilburg  -  Wenn die Schmetterlinge weg sind 

Nach zwei Komödien mit hohem Spaßfaktor sind Theaterliebhaber am Freitagabend bei der Beziehungskomödie „Auf dünnem Eis“ auf ihre Kosten gekommen. Rund 500 Besucher waren zum dritten Theaterabend in die Weilburger Stadthalle „Alte Reitschule“ gekommen.

Als Aufführung der „Theatergastspiele Fürth“ des Intendanten Thomas Rohmer hatte die Premiere von „Auf dünnem Eis“ erst 14 Tage vorher in Bad Salzuflen stattgefunden. Petra Kleinert, vielen auch aus der Fernsehserie „Mord mit Aussicht“ bekannt, geht dabei zum ersten Mal auf Tournee. Der Schweizer mit italienischen Wurzeln, Roberta Guerra, hat schon mit vielen namhaften Theaterregisseuren gearbeitet. Und zusammen sind sie ein wunderbar anzuschauendes und trotz aller Konflikte auch harmonierendes Paar.

Sie: „Bist du eigentlich glücklich?“ Er: „Was soll diese existenzielle Frage um 23.45 Uhr?“

Und dann ging es los: Der Spielfilm „Die Brücken am Fluss“ im Fernsehen ist zu Ende, Karine (Petra Kleinert) und Didier (Roberto Guerra) hängen entspannt auf dem Sofa herum. Sie findet den Film toll, er nicht. Sie ist von dem Schauspieler begeistert, er nicht. Bei ihr hat die Tatsache, dass die Ehefrau im Film bei ihrem Mann bleibt, obwohl sie ihn nicht mehr liebt, aber ihn nicht verletzen will, Unverständnis hinterlassen. Er will ihr verdeutlichen, dass das nur ein Film war, der mit der Realität nichts zu tun hat.

Aber sie sagt: „Wenn ich in der Situation wäre, wäre ich gegangen. Bist du eigentlich glücklich?“ Er: „Was soll diese existenzielle Frage um 23.45 Uhr?“. Und er windet sich: „Glück kann man nicht messen.“

„Gefällt dir dein Leben?“, fragt sie, er antwortet: „Jeder Tag fällt anders aus. Und das war gerade nur ein Film.“ Aber sie beharrt darauf: „Der Film hat mir klar gemacht, was ich in dieser Situation getan hätte.“

Und während er müde ist und ins Bett will, beginnt sie nun, alles zu hinterfragen. Sie spürt keine Schmetterlinge im Bauch mehr, er hingegen hat sowieso noch nie welche gefühlt – und vielleicht müsse sie ja mal einen Arzt aufsuchen. Darauf folgt ihre Frage „Was macht dir dann Freude mit mir?“ und seine Antwort: „Sex ist der Kitt jeder Beziehung. Und da kannst Du mir nichts vorwerfen, ich bin regelmäßig in Höchstform.“

Die Nacht folgt und sie will alleine auf dem Sofa schlafen. Während er im Ehebett kein Auge zumacht, beginnt sie sich nach einer „Mischung aus Fieber, Gewalt und Leidenschaft“ zu sehnen. Er will lieber „ein ganz normales Leben mit einer ganz normalen Frau“ führen. Auf ihren Wunsch nach mehr Hitze schlägt er eine Reise in ein heißes Land vor.

Sie fühlt sich vom Alltag erdrückt: Immer das Gleiche, kein Kribbeln mehr, „das Bedürfnis, sein Gesicht an der Brust des Anderen zu reiben“, sei vorbei, sagt sie. Und er antwortet: „Du hast ein Erosionsproblem, mit der Zeit vergilbt deine Liebe.“

Bei all ihrer Träumerei wendet er nun das Blatt und beginnt, von seinen verpassten Gelegenheiten zu erzählen – es folgt ihrerseits das typische „Männer sind Dreckskerle“.

„Auf dünnem Eis“ gerät nun auf dünnes Eis: Beide gehen ihre eigenen Wege, erzählen sich gegenseitig von ihren Erlebnissen mit anderen, man lebt sich immer weiter auseinander, bis die Erkenntnis, dass die „große Freiheit“ doch nicht das ist, wonach man sucht, und die Sehnsucht nach dem Anderen wieder durchbricht, zu einem ersten Annähern der beiden führt.

Endlich kann man als Zuschauer wieder aufatmen: Was ein Glück, es gibt doch ein Happy End, wie hätte man das Ende sonst aushalten sollen? Aber leider driftet die Szenerie wieder ins Negative ab. Nach dem kurzen Aufbäumen der immer noch vorhandenen Gefühle naht das nächste schwarze Loch: Sie zieht aus und das Paar strebt der Scheidung entgegen.

Letzte Szene: Beim Treffen in der immer noch gleichen Wohnzimmerkulisse mit dem gelben Sofa und dem „Love“-Plakat an der Wand, die Scheidungspapiere in der Hand, jeder mit seinem Teil Trotz ausgestattet, siegt am Ende dann doch die Liebe zum und die Freude auf den Anderen. Was ein Glück. Gerade noch mal die Kurve gekriegt.

Und wieder haben die Besucher einen wunderbaren Theaterabend erlebt. Dieses Mal nicht so leicht wie bei den letzten zwei Komödien, verhaltener die Lacher, leiser die Töne, tiefer die Berührung.

Weilburger Tagblatt, Margit Bach, 18.02.2018

Lünen - Wenn Liebe in die Jahre kommt.

Wie Emotionen plötzlich hochkochen und aus Banalitäten Konflikte werden, zeigt das Stück "Auf dünnem Eis". Es ist Geschlechterdynamik pur.

Schier unerschöpflich scheint die Kreativität des französischen Bühnenautors Eric Assous zu sein, wenn es darum geht, Zweierbeziehungen unter das schriftstellerische "Seziermesser" zu legen. In mehr als 20 seiner seit 1992 erfolgreich aufgeführten Gesellschaftskomödien geht es mit besonderer Vorliebe diesem Anreiz nach. 

Auch sein neues Stück "Auf dünnem Eis" liefert mit geschliffenen Dialogen zwei Paraderollen für ein "in die Jahre gekommenes Paar". Am Montagabend war es im gut besuchten Hilpert-Theater zu sehen.

Ausgangspunkt des redseligen Wortwechsels zwischen Karine und Didier ist der Film "Die Brücken am Fluss", den sich beide angeschaut haben. Jenes US-Filmdrama, in dem ein weit gereister Fotograf auf eine Farmersfrau trifft, die in die Versuchung gerät ihr bisheriges eintöniges Leben an der Seite ihres Mannes aufzugeben, um mit dem Fremden durchzubrennen. Karine fragt sich, ob ein Verbleib beim Partner sinnvoll ist, wenn die Liebe im Alltagstrott verloren gegangen ist. Eine Frage, die bei Didier auf Unverständnis stößt und unweigerlich dem Stein ins Rollen bringt. 

Assous ist ein sehr guter Beobachter des Liebeslebens. Ihm gelingt es, die Ausgangssituation über eineinhalb Stunden in eine mitunter Witz verströmende Dialogführung umzusetzen, die das aufmerksame Publikum völlig in ihren Bann zieht. Da geraten Banalitäten plötzlich zu Konflikten, Emotionen brechen hervor, Vorwürfe über Versäumtes, Verfehltes, Vernachlässigtes suchen sich ein Ventil. Keine Schmetterlinge im Bauch mehr! Sex heilt keine Liebe, sondern verunstaltet sie nur! Geschlechterdynamik pur ! Die ehemals feste Bindung ist brüchig wie dünnes Eis. Da hilft beiden nur noch eines: Jeder geht auf neue Partnersuche. Doch zu stark ist letztlich der Kitt, der bislang ihre Beziehung zusammengehalten hat.

Regisseur Holger Berg hat für die "Theatergastspiele Fürth" eine Inszenierung erarbeitet, die im modernen und weiträumigen Bühnenbild von Kristina Böcher über die gesamte Spieldauer hinweg ausschließlich vorne an der Rampe stattfindet. Auf einem Sofa spielen sich dort alle sechs Akte mit den beiden großartig aufgelegten Protagonisten ab. Petra Kleinert ist die eher introvertierte Karine, eine Frau, die den Stimulus des Films auf ihre eigene Lebenswirklichkeit bezieht und noch einmal eine neue Liebe leben will. In sich ruhend pariert sie Didiers Argumente, bis auch ihr der Kragen platz. Roberto Guerra spielt diesen Didier impulsiv und beweglich, gesättigt von Karine Allerweltsweisheiten und von der vermeintlich vergeudeten Zeit mit ihr. Für ihn ist eine Unterhaltung unter Partnern riskant, bietet sie doch nur den Raum für konfliktträchtige Meinungsverschiedenheiten. 

Assous Komödie ist geistige Nahrung, sie liefert Denkanstöße für das Forschen nach jenem Kitt, der die eigene Zweierbeziehung (noch) zusammenhält. Dem lang anhaltenden rhythmischen Schlussapplaus nach zu folgern, muss dieses Erlebnis für das Publikum ein wahrhaftiger Genuss gewesen sein."

Ruhrnachrichten, 21.02.2018, Rudolph Lauer