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PRESSESTIMMEN
REAKTIONEN

Euphorischer Jubel in Selb bei der Premiere von "Avanti Avanti": 

STEHENDE OVATIONEN

Begeisterte Zuschauer, begeisterte Veranstalter, ausverkaufte Vorstellungen und grandiose Kritiken !!!

Selb -Frivole Flirts mit flottem Dreier

Die Neuinszenierung der Komödie „Avanti! Avanti!“ zaubert ein augenzwinkerndes Spektakel auf die Bühne des Rosenthal-Theaters. Am Schluss singt das Publikum begeistert mit.

 

Man nehme ein bekanntes Bühnenstück – die Komödie „Avanti! Avanti!“ von Samuel Taylor –, das vor genau 50 Jahren schon einmal in der Verfilmung von Billy Wilder mit Jack Lemmon zu einem großen Leinwanderfolg wurde, hübsche dieses Stück mit allerlei tollen, verrückten und teils irren Sperenzchen auf, organisiere sich dazu ein starkes Schauspielerensemble, das auch singen kann, baue inhaltlich passgenau allerlei bekannte wie beliebte Schlager der 1960er- Jahre ein und serviere damit gekonnt und einladend italienisches Sommerflair und lustvolle Liebeswirren.

Der Regisseur und Intendant Thomas Rohmer hat genau dies getan, dazu noch den TV-Star Stefanie Hertel für eine der Hauptrollen verpflichtet – und damit einen grandiosen Erfolg gelandet. Das Publikum im Rosenthal-Theater erlebte am Freitag eine dreistündige schwungvolle Bühnenshow, die auch Genregrenzen sprengte, war doch hier wesentlich mehr geboten als eine schlichte Komödie. War es ein Musical, eine Parodie, eine Persiflage? Wohl von allem etwas, auf jeden Fall aber gute Unterhaltung mit bestens aufgelegten Schauspielern. Der Genremix lieferte ein lockeres wie legeres augenzwinkerndes Spektakel, das sich selbst nicht allzu ernst nimmt. 

Schon die Story an sich ist kurios. Der amerikanische Geschäftsmann Alexander „Sandy“ Ben Clairborn (Stuart Sumner) will mit seiner Frau in Rom die Leiche des bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Vaters heimholen. Dabei lernt er die lebenslustige Alison Ames (Stefanie Hertel) kennen, die wiederum ihre verstorbene Mutter nach London überführen will. Das Problem: Im chaotischen Italien sind beide Leichen verschwunden. Nachdem der vertrottelte Botschaftsmitarbeiter John Wesley (Alexander Milz) nichts zuwege bringt, muss Sandy länger bleiben als geplant. Seine hysterische wie herrschsüchtige Frau Diana (Rebecca-Lara Müller) reist indes keifend und von Rom gelangweilt ab. 

Nachdem sich herausstellt, dass Sandys Vater mit seiner heimlichen Geliebten verstarb und es sich dabei ausgerechnet um Alisons Mutter handelt, nimmt das Chaos seinen Lauf. Ins Geschehen greift der schwule Gigolo Baldassare „Baldo“ Pantaleone (Sascha Hödl) ein und drängt sich auch körperlich auf: Baldo ist Römer, Lebenskünstler und macht sich genauso eifrig wie tuntig an Sandy heran, der seinerseits nach der Abreise seiner Frau allmählich vom spießigen Amerikaner zum südländischen Bonvivant avanciert, in Rom bleibt und sich mit Alison einlässt, aber auch auf die Avancen Baldos eingeht. Sandy wird zum Dandy. 

Es entwickelt sich allmählich ein flotter Dreier mit frivolen Flirts und einer Endlosschleife an frischbrünftigem Gebalze. Als am Schluss die Ehefrau Diana nach Rom kommt, um ihren Mann abzuholen, kehrt dieser zwar zurück. Doch das flotte Trio aus Sandy, Alison und Baldo schwört sich ewige Liebe: Sie wollen künftig heimlich einen Monat pro Jahr in Rom im gleichen Hotel miteinander verbringen. So hatten es auch Sandys Vater und Alisons Mutter praktiziert.

Hält diese Story schon genügend Wortwitz und Wendungen bereit, so lebt diese Inszenierung doch noch ganz wesentlich von den zahlreichen Schlagern, Anspielungen und Effekten. So kommt der ebenfalls in Rom spielende Filmklassiker „Ein Herz und eine Krone“ zur Sprache; als die hysterische Ehefrau zurückkehrt und auf Sandy und Alison trifft, spielt eine Mundharmonika „Spiel mir das Lied vom Tod“; Rudi Carrells Sendung „Herzblatt“ wird eingebaut und Louis de Funès legendäre Filmszene „Nein!“ – „Doch!“ – „Oh“ mehrfach zitiert. Hinten laufen immer wieder besondere, mit Schauspielern besetzte Objekte durch das Bühnenbild wie etwa Cabrios oder eine Vespa. Während Sandy und Alison knutschen, fährt vorne ein Gondoliere zu passender Musik über die Bühne.

Die Inszenierung strotzt nur so vor solchen Einfällen und Anspielungen.

Die acht Schauspieler agieren in den Haupt- wie Nebenrollen glänzend, ausdrucksstark und mit wirkungsvoller optischer wie gesanglicher Präsenz. Eine echte Entdeckung ist dabei Stefanie Hertel, die hier auch als Schauspielerin Bühnenreife für das Theater beweist und mit ihrem Spiel wie mit bezaubernden Kostümen begeistert.

Stuart Sumner führt den Wandel Sandys zum Lebemann trickreich vor. Köstlich überspannt brilliert Rebekka-Lara Müller als Ehefrau Diana. Und schwuchtelig überzeichnet präsentiert Sascha Hödl seinen Baldo zwischen Macker und Macher. 

Und zu alldem erklingen inhaltlich jeweils passgenau Schlager aus den 1960erJahren. Da fühlt sich das Publikum teilweise in die Musikfilme jenes Jahrzehnts zurückversetzt, wobei der modernisierende Kontrapunkt in der offenen Darstellung der Homo- und Bisexualität besteht. Das Publikum summt und singt bei den zahlreichen Liedern wie „Marina“, „Zwei kleine Italiener“, „That’s amore“ oder „Let’s twist again“ manchmal hörbar mit. 

Bei der fulminanten Zugabe – einem 20-minütigen Medley, bei dem die Schauspieler sich noch einmal austoben – hält es das Publikum nicht mehr auf den Stühlen, alle singen und machen mit.

Frankenpost, Jürgen Henkel, 18.09.2022

Selb - Premiere von "Avanti Avanti"

Das Premierenpublikum, unter denen auch prominente Gäste wie Gerda Steiner oder Eberhard Hertel waren, feierte das Ensemble mit Standing Ovations.

Extra-Radio, 17.09.2022